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100 Jahre Golf in Deutschland
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Eine kurze Chronologie
Pennäler-Golf 1890
Gründerzeit des DGV
Golf im Dritten Reich
Neubeginn in der BRD
Golf in der DDR
Bernhard Langer
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DÜRFEN DIE DEUTSCHEN GOLF SPIELEN?

Abschlagszeiten Mangelware: erste Golfschwünge nach dem Zweiten Weltkrieg

Am 18. Oktober 1949 erlebt Bad Ems die zweite Geburt eines Golfverbandes in Deutschland: Nach Auflösung und Verbot des DGV am Ende des Zweiten Weltkrieges erklärt Präsident Moritz von Bissing den Deutschen Golf Verband der Bundesrepublik für gegründet. Doch dieser Verband ist zunächst eine Institution, die im wahrsten Sinne des Wortes keinen Boden unter den Füßen hat. Denn Golfplätze existieren in Deutschland nur vereinzelt.

Starthilfe für den 2. DGV: Nora Zahn (von 1929 bis 1968 im Verband tätig) sammelt, bewahrt und fördert den Golfsport in der Nachkriegszeit

Viele Fairways wurden in den letzten Kriegsjahren in Kartoffeläcker umgewandelt, anderswo sind die Plätze von Bombentrichtern durchlöchert und mit Munition übersät. Lediglich ein gutes Dutzend Plätze haben amerikanische und britische Soldaten in ihren Zonen für sich reklamiert und notdürftig instand gesetzt. Noch lange werden einige von ihnen unter der Hoheit des Militärs bleiben: in Bad Wildungen bis 1952, in Bad Nauheim bis 1956 und in Garmisch sogar bis 1994. Der Golfenthusiasmus von Briten und Amerikanern hat den Deutschen auf diese Weise eine Reihe von traditionsreichen Plätzen erhalten, die man unmittelbar nach dem Krieg sonst wohl in Kleingärten oder Neubausiedlungen verwandelt hätte.

Von Hamburg bis München: kaum Abschlagszeiten

Ein kleine Golfreise durch das Nachkriegsdeutschland bringt höchst unterschiedliche Zustände ans Tageslicht: Verhältnisse wie in Krefeld, Köln-Marienburg oder Hamburg bilden die Ausnahme: Dort sind die Plätze bespielbar und bald sogar in gutem Zustand. Die britischen Soldaten dominieren zwar das Clubleben, doch die Deutschen besitzen nicht nur Spielrecht, sondern dürfen gleichberechtigt an Beratungen teilnehmen und stellen sogar Mitglieder des Vorstands. Das so genannte Fraternisierungsverbot wird auf dem Golfplatz nicht so ernst genommen, die Versöhnung kommt voran.




Munich Military Post präsentiert: Golf im September 1949 Foto: Golfmagazin

Anderswo ist den Deutschen das Golf-Glück weniger hold. Auf dem Platz in Frankfurt-Niederrad lassen die Amerikaner zwar bald schon deutsche Spieler zu und stellen ihnen sogar Schläger und Bälle zur Verfügung. Doch die Mitglieder des Frankfurter Golf Clubs erhalten nur ein begrenztes Kontingent an Zugangsberechtigungen, denn die Amerikaner spielen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang selbst genug. Monatlich werden bis zu sechstausend Runden absolviert, die Kapazität des Platzes gerät regelmäßig an ihre Grenzen, und die Deutschen bekommen erstmals eine Ahnung vom Golf als Volkssport.

In München gestaltet sich die Lage für deutsche Golfer noch dramatischer. Die Anlagen sind zerstört, und zu den besetzten Plätzen in Feldafing und Garmisch haben die Münchner keinen Zutritt. Viele Jahre lang betrachten sie deshalb den dreihundert Kilometer entfernten Platz in Baden-Baden als ihren Heimatplatz. Da tröstet es wenig, dass sie ihre Bälle eine Zeitlang auf dem Trainingsplatz der Fußballmannschaft von 1860 München schlagen dürfen. Der Vorschlag, die Golfer als Mitglieder in dem volkstümlichen Verein aufzunehmen, wird verworfen. Ein sportorganisatorisches Experiment, das dem Golfsport möglicherweise viel von seinem exklusiven Negativ-Image erspart hätte, ist damit verpasst.

In Garmisch ist der Platz vom amerikanischen Militär beschlagnahmt. Zähe Verhandlungen führen schließlich zu gelegentlicher Spielerlaubnis für Deutsche. Die Amerikaner aber behalten sich die Oberaufsicht vor. Sogar am Tag vor den Deutschen Meisterschaften, die 1956 hier stattfinden, können die Teilnehmer kaum trainieren, weil ein internes Turnier der Soldaten stattfindet. Noch im Jahr 1960, fünfzehn Jahre nach Kriegsende, behält sich die amerikanische Militärführung das Recht vor, die Benutzung des Platzes durch Deutsche jederzeit einzuschränken. Jedes Turnier bedarf der vorherigen Genehmigung, und der Sportwart des deutschen Clubs bittet die Mitglieder immer wieder um Rücksicht auf amerikanische Interessen und mahnt die bevorzugte Behandlung von Offizieren an.

Golfplatz Kladow: Umziehen im Clubhaus gestattet Foto: Golfmagazin

Golfspielen nur montags gestattet

Sich gegenüber den Alliierten bescheiden geben und als Club seine Grenzen erkennen - das ist das beste Überlebens- und Erfolgsrezept im deutschen Nachkriegsgolf. Es bleibt den heimischen Golfern auch nicht viel anderes übrig, denn Engländer und Amerikaner geben überall den Ton an. Die frisch gegründete Zeitschrift „Golf“ veröffentlicht deshalb eine aus heutiger Sicht seltsam anmutende Liste der Spielmöglichkeiten - eine Art „Golf-Guide“ anno 1949: Siebenundzwanzig Anlagen werden darin aufgeführt und zu jeder die entscheidenden Fragen gestellt: Dürfen Deutsche spielen, spielen sie ohne Einschränkung, darf das Clubhaus benutzt werden?

Die Antworten erbringen kuriose, teils rührende Resultate: In Frankfurt zum Beispiel darf nur vormittags von Montag bis Freitag gespielt werden und in Garmisch lediglich an zwei ausgewählten Tagen in der Woche. In Mannheim dürfen Deutsche nur dann zum Abschlag, wenn der Platz nicht vollständig von Amerikanern belegt ist. In Travemünde lässt man sie zu - außer am Wochenende, wenn Engländer spielen. In Bremen dürfen die Mitglieder des Club zur Vahr jahrelang nur am Montag spielen, außer wenn die Amerikaner montags einen ihrer zahlreichen Feiertage begehen. Der Platz in Feldafing ist für die Deutschen grundsätzlich tabu, erst viele Jahre nach Kriegsende kommt einmal die frohe Botschaft, dass man am Karfreitag und Ostermontag ausnahmsweise spielen dürfe. Vielerorts gibt es auch Beschränkungen beim Zutritt zum Clubhaus: In Berlin-Kladow zum Beispiel darf es laut Hausordnung von Deutschen nur zum Umziehen benutzt werden.

Aber wer wollte sich damals beklagen: Der von den Deutschen angezettelte Weltkrieg ist erst wenige Jahre vorbei, die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschland kommen ans Tageslicht, die Städte liegen in Trümmern, das Wirtschaftsleben erholt sich nur zögerlich - und doch können die Menschen längst wieder Bedürfnisse nach Freizeitgestaltung und Sport formulieren, die über eine Grundversorgung hinausreichen. Das geht den Schülern auf den Fußballplätzen nicht anders als den Golfspielern auf den Fairways. Trotz aller Einschränkungen formuliert der Deutsche Golf Verband deshalb schon 1951 ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen zehntausend Golfer haben.“ Das klingt in jenen Tagen utopisch, doch wird sich diese Zahl tatsächlich nur als flüchtige Marke auf dem Weg zu einer halben Million Golfspielern in Deutschland erweisen.

Von Volker Mehnert und Dietrich R. Quanz
Der vorliegende Text entstand auf Grundlage der vierbändigen Chronik „100 Jahre Golf in Deutschland“, die 2007 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Deutschen Golf Verbandes erscheint.


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