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Eine kurze Chronologie
Pennäler-Golf 1890
Gründerzeit des DGV
Golf im Dritten Reich
Neubeginn in der BRD
Golf in der DDR
Bernhard Langer
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HINAUS INS GRÜNE

Gründerzeiten im deutschen Golfsport: von Hanseaten, Aristokraten und Kurgästen

Je ein halbes Dutzend Deutsche und Angelsachsen aus sieben Golfclubs rufen am 26. Mai 1907 während einer nur vierzigminütigen Versammlung im Uhlenhorster Fährhaus den Deutschen Golf Verband ins sportliche Leben Germanias. Sie wählen den Hamburger Johann Vincent Wentzel zum ersten Vorsitzenden und zeichnen nach der Annahme einer
"Verfassung" eigenhändig das Gründungsprotokoll. Vor dem Ausflugslokal stehen drei Automobile mit Chauffeuren bereit, von denen sich die Herren anschließend zum Jenisch-Park in Flottbeck kutschieren lassen. Dort läuft dann auf dem Platz des jungen Hamburger Golf-Clubs das erste deutsche Verbandsturnier ab - ganz unenglisch sogar mit Damen.

Die Gründung des DGV war der vorläufige Höhepunkt einer zaghaften Ausbreitung des Golfsports in den zurückliegenden anderthalb Dekaden. Nachdem das Spiel jahrhundertelang an den Deutschen vorbeigegangen war, hatten es angelsächsische Diplomaten, Geschäftsleute und Kurgäste gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts in deutschen Landen eingeführt. Zunächst spielten sie in den Kurorten Bad Homburg, Wiesbaden und Baden-Baden informell auf Wiesen oder Exerzierplätzen, dann wurden kleine Plätze angelegt und nach britischem Vorbild gelegentlich auch lose Clubgesellschaften gegründet.

Aristokratischer Glanz

1893 gilt als Geburtsdatum des Wiesbadener Golf-Clubs. Es war eine britisch dominierte "society", die mit einigen deutschen Gästen auf einem Exerzierplatz den Schläger schwang. 1894 eröffnete Bad Homburg einen regelgerechten, aber extrem kurzen Platz im Kurpark, und in Baden-Baden kam es 1901 zur Platzeröffnung des Gemeinnützigen Vereins der Geschäftswelt. 1904 entstand in Bad Nauheim ein Golfplatz, drei Jahre später in Bad Wildungen und Bad Langenschwalbach.

In der Regel waren es noble Vereinigungen mit hochgestellten Mitgliedern, die sich dem neuen Sport widmeten. Darin spielten die Deutschen zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen verliehen angelsächsische Müßiggänger und europäischer Adel den Vereinen ihren exklusiven Glanz. Als Ehrenmitglieder firmierten in Bad Homburg der englische König Edward VII., der deutsche Kronprinz und zahlreiche russische Großfürsten, und in Bad Kissingen spielte Louis Botha, Premierminister von Südafrika, bei der Platzeinweihung die Eröffnungsrunde.

Eine besondere Rolle im Reigen der vornehmen Golfvereinigungen spielte Oberhof. Im Gründungsjahr des Deutschen Golf Verbandes wurde dort der Thüringer Golf-Club ins Leben gerufen, und Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg Gotha erklärte sich zu dessen "Protektor". Am Eröffnungsspiel auf dem im gleichen Jahr fertiggestellten Platz nahm Seine Kaiserliche Hoheit Großfürst Kyrill von Russland teil. Der Herzog erhob den Club in den "Fürstenstand": Fortan durfte er sich Herzoglicher Golfclub Oberhof nennen und wurde zum internationalen Hotelclub und zum deutschen Golfmekka.

Refugien fürs Wochenende

Die Erstellung von Golfplätzen und die Gründung von Golf- und Landclubs verdankten sich auch einer Bewegung der Städter hinaus ins Grüne. Industrialisierung, Umweltverschmutzung und hygienische Probleme in den rasch angewachsenen Großstädten ließen das Landleben als verklärte Idylle erscheinen, der man sich am Wochenende gern anheim gab. So schufen sich weltläufige und betuchte Wirtschaftsbürger in der Umgebung ihrer Heimatstädte familiäre Golfrefugien.

1902 gründeten fünfzig Herren aus Marine und Kaufmannschaft vor den Toren Kiels den Golf-Club Kitzeberg mit eigenem Clubhaus auf dem Geländer der Hamburger Maklerfamilie Wentzel. Der Platz freilich besaß nur zwei Löcher und wurde im Jahr 1904 auf gerade einmal vier Löcher vergrößert. Golf war mehr gesellschaftliches als sportliches Ereignis. Parallel dazu erfolgte in der Nähe von Hamburg die Gründung des Wentorf-Reinbeker Golf-Clubs. In Leipzig kam 1905 auf dem Rittergut Gaschwitz ein weiterer Club hinzu, im gleichen Jahr wurde in Bremen der Club zur Vahr ins Leben gerufen. Ein Jahr später konstituierte sich der Hamburger Golf-Club, und 1906 fand man sich in Köln zu einem Verein zusammen.

Während die Ladies damals aus britischen Clubs in der Regel verbannt blieben, hatten die deutschen Damen von Anfang an ihren Platz in den frisch gegründeten Vereinen, und bei den ersten Meisterschaften des Deutschen Golf Verbandes 1907 in Wentorf-Reinbek gab es selbstverständlich einen Damen-Wettbewerb. Während der Kaiserzeit spielten bei Turnieren vor allem verheiratete Engländerinnen und höhere deutsche Töchter. Ein Fräulein Bock aus Wentorf-Reinbek, die später als verheiratete Erika Sellschopp von Erfolg zu Erfolg eilte, durfte schon im zarten Alter von fünf Jahren auf dem heimischen Platz üben. Ihre Siegesserie von vier deutschen Meisterschaften und drei Internationalen Amateurmeisterschaften konnte damals kein männlicher deutscher Golfer auch nur annährend erreichen. Die großen Spieler im frühen Golf-Germania hatten Namen wie Edward Breck, Andrew Pitcairn-Knowles und Charles Lipscomb.

Ein olympischer Golftraum verpufft

In Zeiten des vaterländisch ambitionierten Kaiserreichs mochten auch die wenigen deutschen Golfspieler nicht zurückstehen und strebten eine landesweite Organisation an, die eine Austragung nationaler Meisterschaften in die Hand nehmen konnte. Die Gründung eines Deutschen Golf Verbandes war also nur eine Frage der Zeit und kam schließlich 1907 in Hamburg zustande. Fünf Jahre später gab der DGV sein einziges Jahrbuch während der Kaiserzeit heraus. Es enthielt eine Deutschlandkarte, in der immerhin dreizehn Clubs verzeichnet waren: Neben den Kurorten Wiesbaden, Bad Homburg und Oberhof firmierten die Residenzstädte Berlin, Dresden, Darmstadt und München sowie die Handelsstädte Bremen, Köln, Leipzig und Kiel. Hamburg war als einziger Standort mit zwei Vereinen vertreten.

Schließlich machte der Deutsche Golf Verband auch auf sportlichem Parkett große Pläne. 1912 hatte Berlin vom Internationalen Olympischen Komitee den Zuschlag für die Ausrichtung der Spiele 1916 erhalten, und Golf sollte wieder in den Kreis der olympischen Sportarten zurückkehren. Golfverband und kaiserliche Sportfunktionäre nahmen die Aufgabe ausgesprochen ernst und bereiteten ein olympisches Golfturnier akribisch vor. Für Ende Juli und Anfang August 1914 wurde zwischenzeitlich in Hamburg eine Offene Amateur Meisterschaft anberaumt. Während sich die Spieler, darunter auch einige Briten, noch auf den Fairways tummelten, traf die Nachricht vom Ausbruch des Krieges ein, und der Verband sah sich genötigt, das Turnier sofort abzubrechen. Der kurze deutsche Golfaufschwung war abrupt unterbrochen, Spieler aus den inzwischen sechzehn Vereinen zogen Uniformen an. Nicht nur der olympische Golftraum war verpufft, Golf in Deutschland fiel zurück auf seinen Anfang.

Von Volker Mehnert und Dietrich R. Quanz
Der vorliegende Text entstand auf Grundlage der vierbändigen Chronik „100 Jahre Golf in Deutschland“, die 2007 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Deutschen Golf Verbandes erscheint
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