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VOM TABU ZUR BLÜHENDEN LANDSCHAFTTrotz vierzig Jahre DDR-Bann: Im Osten Deutschlands glänzt eine schöne, neue GolfweltPlatz und Club eingegangen. Dies war ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Bilanz für fast alle Golfanlagen in der sowjetisch besetzten Zone. Die Besatzungsmacht ordnete die Auflösung aller Sportvereine und die Beschlagnahmung ihres Vermögens an. Golfplätze wurden zu Kleingärten und Kartoffeläckern. In der Liste der zugelassenen Sportarten kam Golf nicht vor. Die meisten verbliebenen Golfspieler setzten sich in die Westzonen ab, und die traditionsreiche Golfhochburg Oberhof wurde in eine Medaillenschmiede des staatlich gelenkten Wintersports verwandelt. Vierzig Jahre lang ignorierte dann die Sportpolitik der DDR das Golfspiel. Und doch wuchs aus dem golf-darbenden Osten nach der Wiedervereinigung eine reizvolle Golf-Landschaft heraus.
Golfnischen für DDR-BürgerBis zum Mauerbau verdienten sich junge Leute im amerikanischen
Sektor Berlins als Caddies ein Zubrot und schwangen gelegentlich selbst den
Schläger. In Babelsberg improvisierten sie einen 3-Löcher-Platz. Hier und da
spielte auch ein vereinzelter Golfnarr mit alten Schlägern und selbst
gebastelten Bällen auf einer Wiese. Die wichtigsten Anregungen zum Golfspielen
aber kamen aus dem Nachbarland: In der Tschechoslowakei gab es die einzigen
öffentlich zugänglichen Golfplätze hinter dem Eisernen Vorhang. Der eine oder
andere Kurgast in Marienbad oder Karlsbad lernte dort das Golfspiel kennen.
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Nach der Ablösung Erich Honeckers entstand die „Erste Allgemeine Sportgruppe Golf der DDR“, und am 21. April 1990 wurde sogar ein „Deutscher Golf Verband der DDR“ gegründet. Für einen golfhistorischen Augenblick konnte man sich als souveräner Sportverband fühlen. In Lindau nahm kurz darauf ein DDR-Team an der 16. Internationalen Gemischten Vierer Meisterschaft teil. Es sollte die erste und einzige Golfnationalmannschaft der DDR bleiben. Kurz darauf nahm der Deutsche Golf Verband die Golfer aus der DDR im Rahmen eines „Landesgolfverbandes Ost“ unter seine Fittiche. Es war der erste aller Zusammenschlüsse im deutschen Sport. Nach den üblichen organisatorischen Wendewirren bildeten sich bis zur Jahrhundertwende in sämtlichen neuen Bundesländern regionale Golfverbände unter dem Dach des DGV.
Innovationsglanz aus dem OstenDie ostdeutschen Golfer hatten eigentlich auf eine breite Popularisierung des Golfsports gesetzt. Sie forderten einfach ausgestattete Übungsanlagen statt nobler Vorzeigeobjekte, um den ehemaligen DDR-Bürgern das Golfspiel näher zu bringen. Doch die konnten auch nach der Wiedervereinigung wenig mit Golf anfangen. Ideologische Vorbehalte überdauerten die Wendejahre. Abgesehen von Brandenburg, das sich der Berliner LGV frühzeitig einverleibt hatte, zählte die DGV-Statistik 1992 im Osten gerade einmal 94 Golfspieler. Stattdessen traten Golfinteressenten ganz anderen Kalibers auf den Plan: Private Investoren erhofften sich auf Brandenburger Boden goldene Golfzeiten - mit noblen Clubs und aufwändig gestalteten Golfplätzen, die sich von Mitgliedern aus der neuen alten Hauptstadt nähren sollten. Sie gingen forsch ans Werk, und trotz finanzieller Schwierigkeiten vieler Betreiber wuchs in nur einem Jahrzehnt eine anspruchsvolle Golfregion aus dem märkischen Boden. 1998 und 1999 fanden sogar die German Open der Profis im Sporting Club Scharmützelsee von Bad Saarow statt, und im Jahr 2000 richtete der DGV dort erstmals auf deutschem Boden die Weltmeisterschaft der Amateure aus. Das Berliner Umland wurde so zum golferischen Ausnahmeterritorium - eine blühende Landschaft besonderer Art. Fünfzehn Jahre nach der Wiedervereinigung stehen die Brandenburger Hauptstadtclubs mit ihrem traditionsreichen Flaggschiff Bad Saarow nicht mehr allein. In Heiligendamm ist die „weiße Stadt am Meer“ samt Golfplatzprojekt aus DDR-Ruinen wieder auferstanden, und auch für Oberhof gibt es ehrgeizige Pläne einer golferischen Renaissance. Das größte und erfolgreichste Golfprojekt in den neuen Bundesländern aber ist das Resort Fleesensee. Schon bei ihrer Eröffnung galt diese Golf- und Feriensiedlung als Vorzeigeobjekt: „Aller Innovationsglanz auf dem Gebiet des Tourismus kommt im Moment offenbar aus dem Osten“, vermeldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung anlässlich der Einweihung. Keine schlechte Bilanz für eine Region die von sechs Jahren Weltkrieg, vierzig Jahren DDR-Sozialismus und jahrelangen Wendemanövern durchgerüttelt wurde. Von Volker Mehnert und Dietrich R. Quanz |
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