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100 Jahre Golf in Deutschland
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Eine kurze Chronologie
Pennäler-Golf 1890
Gründerzeit des DGV
Golf im Dritten Reich
Neubeginn in der BRD
Golf in der DDR
Bernhard Langer
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ABSCHLAG AM ABGRUND

Golf im Dritten Reich: ein sportlicher Nebenschauplatz des großdeutschen Wahns

Man spielte Golf. Genauso wie man zur Arbeit oder am Sonntag zur Kirche ging. Auch am Rande der Fairways vernahm man die kämpferischen Töne und die Direktiven der politischen und sportlichen Führer - mit Entsetzen, Gleichgültigkeit oder Enthusiasmus. Man hörte in Clubhäusern und auf Versammlungen die nationalistischen Sportparolen, und während die einen sich passiv daran gewöhnten, sahen andere darin die Chance, ihrer Randsportart mehr Ansehen zu verschaffen. Man ließ den Rauswurf jüdischer Mitglieder aus den Clubs geschehen: manch einer mit Widerwillen, andere mit Wohlwollen, und wieder andere kassierten hemmungslos zurückgelassene Schläger und Bälle ein. Golf im Dritten Reich - das war die Freizeitbeschäftigung einer winzigen Minderheit in schrecklicher Zeit, ein harmlos erscheinendes Rädchen im Getriebe der Kriegsvorbereitung, ein sportlicher Nebenschauplatz des großdeutschen Wahns.

DGV-Präsident Alfred Merton, Chef der Frankfurter Metallgesellschaft, lädt zu seinem einzigen Verbandstag wenige Tage vor der „Machtübernahme“ ein und wählt bald die Emigration

1933: ein merkwürdiges Golfjahr

Merton, wie sein Vorgänger Herbert Gutmann jüdischer Herkunft, musste schon bei seiner Amtsübernahme die Drohungen in nationalsozialistischen Propagandareden vernehmen. Ende Januar 1933 leitete er seinen einzigen Verbandstag als DGV-Präsident. Noch prognostizierte er gutgläubig „eine günstige Weiterentwicklung“. Zwei Tage später begann die „tausendjährige Zeitrechnung“.

Dennoch ließ sich oberflächlich offenbar eine gewohnte Golfsaison spielen. Der Sportbetrieb auf Clubebene lief nach alten Regeln weiter, allerdings änderten sich Dekor und Inszenierungen. Bereits im Mai vermerkten geheime Protokolle des Reichssportkommissariats einen „schwer verjudeten“ Golfsport. Öffentlich kündigte der von Hitler zum Reichssportführer berufene SA-Mann Hans von Tschammer und Osten die „Neuordnung Deutscher Leibesübungen“ an. Auch auf den Fairways schritten die neuen Machthaber zielstrebig voran. Im August 1933 machten sie im Frankfurter Golf-Club kurzen Prozess: Angeblich legte der Vorstand, dem auch Verbandspräsident Merton angehörte, seine Ämter freiwillig nieder, doch war es die parteipolitische Selbstermächtigung einer kleinen Clique, die drei Monate später von der Clubversammlung einmütig abgesegnet wurde.

Abschlag am Abgrund

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Dem Vorspiel am Main folgte im September auf Verbandsebene die Hauptaktion gegen den schon in Frankfurt ausgegrenzten Merton. Beinahe stillschweigend wurde er abgelöst; rechtzeitig konnte er sich daraufhin ins Exil absetzen. Scheinbar aus dem Nichts berief der Reichssportführer den Sektfabrikanten und Präsidenten des Wiesbadener Golf-Clubs, Karl Henkell, zum „Führer“ des DGV. Offenbar hatte man sich längst arrangiert, der Zeitablauf jedenfalls spricht für eine langfristige Vorbereitung des Coups: Im Juli schwärmte das Fachblatt „Golf“ vom Clubpräsidenten Henkell, im August spielte man in Frankfurt die Verdrängung von Alfred Merton durch, und im September präsentierte von Tschammer dem Verband Karl Henkell.




Das Meisterschaftsprogramm von 1938 schwelgt in Bild und Text im Zeitkolorit

„Golf Heil!“

„Aufwärts!“ geht es, freute sich das Fachblatt „Golf“ unter der Leitung von Bernhard von Limburger, weil der Golfsport beim Umbau des deutschen Sports nicht vergessen würde. Henkell galt der Redaktion als Garant für „Neues und Wertvolles.“ Der Verbandsführer demonstrierte seinerseits Kontinuität und berief Teile des alten Präsidiums in seinen, allerdings nur mehr beratenden, „Führerkreis“. Ende 1933 machte der DGV auch den Clubs die Umstellung auf das Führerprinzip zur Pflicht. Einvernehmlich ließ der Verbandstag 1934 eine „Sonderermächtigung“ für den Verbandsführer verlesen. Die Gewohnheit in Sportclubs und Sportverbänden, einigen Bereitwilligen die Geschicke rund ums eigene Sporttreiben zu überlassen, mochte den grundsätzlichen Umschwung der Organisation in den Kopfstand nur als unpolitische gymnastische Übung erscheinen lassen. Die Mehrheit hielt es wohl, gewollt naiv, mit den Worten ihres Verbandsführers: „Was kann es Schöneres geben, als im Kreise von Golfern nur über Golf zu reden.“

Im Einvernehmen mit dem Reichssportführer verkündete Henkell hochtrabende Pläne: Deutschland sollte sich zu einer weltweit ebenbürtigen Golfnation mausern. Das amtliche Golforgan sekundierte: „Ein gesunder Geist weht im deutschen Golf. Das Ziel lautet: Weltgeltung des deutschen Golfsports.“ Der DGV galt nun als zeitgemäße „Schmiede des deutschen Golfsports“, und das Magazin hämmerte „Golf-Heil!“. Auch das schon in der Weimarer Zeit sprichwörtliche „Bädergolf“ in den Kurorten sah sich einverleibt. Der „Reichsausschuss für Fremdenverkehr“ nahm den Golftourismus in seine Obhut und ermunterte ausländische und deutsche Gäste zum Reisen in deutschen Landen.

Olympische Golfkulissen

In Berlin 1936 sollte Golf wieder olympisch auftreten. So jedenfalls wollten es die Deutschen. Doch selbst ein Reichssportführer konnte nicht einfach eine neue Sportart ins olympische Programm drücken, das IOC blieb bei seinem Nein. Der Reichssportführer schenkte deshalb den nichtolympischen Sportarten eine „Nacholympiade“. Die traditionelle „Große Baden-Badener Sportwoche“ wurde olympisch aufgeladen, ein „Großer Golfpreis“ ausgeschrieben. Viele Länder blieben allerdings dem Ereignis fern. Das Magazin „Golf Illustrated“ bezweifelte das Wehen des olympischen Geistes und kritisierte die Teilnahme der Engländer an dieser Veranstaltung „zum Schaden des Golfsports“. Zu deutlich waren die braunen „Ehrenpreise von den höchsten Stellen des Reiches“, unter anderen von Hitler persönlich. Die Briten trugen den Sieg davon, und Karl Henkell überreichte ihnen den „Führerteller“. Die beiden britischen Golfspieler stiegen daraufhin zu Nationalhelden auf, die es Hitler gezeigt hätten.

Noch während die olympischen Kulissen abgeräumt wurden, bereiteten die Nationalsozialisten die gnadenlose „Lösung der Judenfrage“ vor - auch beim Golfverband. Zum 1. Januar 1937 wies man die Vereine an, den „Reichsbürgerbrief“ als Bedingung für die Mitgliedschaft zu verlangen. Die Clubs folgten gehorsam und forderten alle Mitglieder ohne dieses Dokument auf, ihr Ausscheiden aus den Clubs anzuzeigen. Die betroffenen jüdischen Golfer mussten sich also noch selbst abmelden. So spiegeln die Bestandszahlen des Deutschen Golf Verbandes im Jahrbuch 1939 entgegen dem damaligen Aufschwunggerede einen kräftigen Rückgang der Clubmitglieder wider. Bis 1936 gingen fast dreihundert von 4.900 Golfern verloren. Von 1936 auf 1937 verringerte sich ihre Zahl nochmals um 450.

Das Ende großdeutscher Golf-Euphorie

Ab 1938 wurde auf Führerbefehl der gesamte Sport von der Partei „betreut“, der neue Briefkopf des DGV lautete entsprechend: „Deutscher Golfverband im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen“. Im November 1938 trat erstmals ein großdeutscher DGV auf, der auch für Vereine in Österreich und der Tschechoslowakei sprach und „in tiefer Freude und mit besonderem Stolz den Zuwachs erstklassiger Meisterschaftsplätze“ begrüßte. Nach Kriegsbeginn aber fielen die Meisterschaften aus, Golfenthusiasten spielten nur noch Privatrunden auf halbwegs hergerichteten Plätzen. Doch die nationale Euphorie ging weiter. Der einzige Kriegs-Verbandstag in Berlin feierte 1942 eine neue Höchstzahl von 65 Clubs, indem man den Eroberungen der Wehrmacht folgte und Clubaufnahmen von Straßburg und Luxemburg bis Kattowitz und Bled absegnete. Die Golfzeitung schwärmte von Golfplätzen, die „unsere Truppen bei ihrem herrlichen Vormarsch“ erobert hätten.

Nach Ausrufung des „totalen Krieges“ kämpfte man schließlich nur noch für das Prädikat „kriegswichtig“, um den Golfsport notdürftig aufrecht zu erhalten. Der DGV bot seinen Clubs deshalb Kurse für „Golf als Versehrtensport“ an. Doch die Bemühungen waren vergeblich. Angesichts landwirtschaftlicher oder militärischer Nutzung versuchte man an Plätzen zu erhalten, was zunehmend nicht mehr zu halten war. Golf stand mit dem Rücken zur Wand, da verlor der DGV auch seinen Führer: Bei einem Bombenangriff auf Wiesbaden wurde Karl Henkell 1944 tödlich verletzt. Sein kommissarisch aufgerückter Vize Burchard-Motz aus Hamburg stand vor den Scherben eines Verbandes, der passiv und aktiv dem „schönen Schein“ der Machthaber im In- und Ausland gedient hatte und zusammen mit der Nation an den Abgrund geraten war.

Von Volker Mehnert und Dietrich R. Quanz
Der vorliegende Text entstand auf Grundlage der vierbändigen Chronik „100 Jahre Golf in Deutschland“, die 2007 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Deutschen Golf Verbandes erscheint.


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