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Von den Ursprüngen des Golfspiels

Die Schotten hätten es natürlich gern, wenn der Mythos vom Ursprung des Golfspiels in ihrem Land weiterhin Bestand hätte, aber die auch anderswo liebgewonnene Mär hält einer genauen Überprüfung längst nicht mehr stand. Golf, in welcher Form auch immer, mag schon vor fünf Jahrhunderten in Schottland praktiziert worden sein, doch die Ursprünge des Spiels liegen früher und anderswo: In den Niederlanden war es offenbar bereits mindestens seit Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts bekannt.

Diese Version ist inzwischen sogar in angelsächsischen Publikationen akzeptiert; britische und amerikanische Historiker und die Encyclopaedia Britannica lassen daran keinen Zweifel. Die entscheidenden Belege entstammen aus kontinentaleuropäischen Quellen: Ein Stundenbuch der Herzogin von Burgund, entstanden um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, präsentiert die älteste eindeutige Illustration des Golfspiels, und ein Büchlein des niederländischen Humanisten Pieter van Afferden enthält ein Jahrhundert später dessen erste detaillierte Beschreibung. Dass die Schotten das Spiel rasch übernommen und selbst weiterentwickelt haben, liegt nahe, denn vom Ende des fünfzehnten Jahrhunderts an sind intensive Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern dokumentiert. In den Niederlanden hingegen verschwand es bald wieder von der Bildfläche.

Ob schon frühere Kulturen einen Schläger zu golfähnlichen Zwecken geschwungen haben, lässt sich nicht beweisen. Römer, Kelten, Chinesen und Perser haben sich offenbar mit verwandten Ballspielen vergnügt, die später in abgewandelter Form auch in Frankreich, England und Deutschland praktiziert wurden. Es dürfte sich dabei aber wohl in der Regel um Mannschaftsspiele gehandelt haben, die nicht auf Geschicklichkeit basierten, sondern meist in einem rüden, manchmal gewaltsamen Getümmel vor sich gingen.

Von einer weiteren, allseits beliebten Legende gilt es Abschied zu nehmen: Es waren nicht die naturverbundenen Schäfer, die in ihrer freien Zeit mit Stock und Ball experimentierten und in einer idyllischen Frühzeit des Golfspiels darauf verfielen, den Ball zu einem vorbestimmten Ziel zu treiben, gar in ein Loch zu bugsieren. Golf war vielmehr in seinen ersten Jahrhunderten ein aristokratisches Spiel, denn es war kostspielig. Besonders die lederumhüllten „feather balls“ waren teuer, konnten leicht verloren gehen oder aufplatzen. Außerdem wurden sie bei Regen feucht und schwer und waren dann praktisch nicht zu benutzen. Golf war deshalb ein Schönwetterspiel, und nur Adlige konnten die Stunden ihres Müßiggangs den Wetterverhältnissen anpassen. Die berühmteste aristokratische Golfspielerin der frühen Jahre war Maria Stuart: Im Prozess gegen sie wurde ihr der Vorwurf gemacht, dass sie sich schon wenige Tage nach dem Tod ihres Mannes beim Golfspiel vergnügte.

Gespielt wurde vorzugsweise auf küstennahen Wiesen, wo durch den sandigen Untergrund eine gute Drainage besteht und das Gras auf natürliche Weise kurz bleibt. Abschläge oder Grüns waren unbekannt, man behalf sich, wenn überhaupt, mit grob ausgehobenen Löchern. Als Bunker dienten die natürlichen Sandflächen in den Küstenwiesen. Regeln wurden wohl von den Spielern jeweils vor einer Partie vereinbart. Erst Mitte des achtzehnten Jahrhunderts kam es zu einer gewissen Vereinheitlichung durch die Gründung von schottischen „golf societies“, den ersten Golfclubs, die sich feste Regeln und dauerhafte Spielplätze zulegten. Und damit sei dann gleich der dritte und letzte Mythos aus den Anfangszeiten des Spiels vom Tisch gewischt: Nicht der ehrenwerte Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews trug sich als erster in die Annalen der Golfgeschichte ein, sondern es waren 1744 die Gentlemen Golfers of Leith in Edinburgh, eine Freimaurergesellschaft unter der Führung eines gewissen William St. Clair of Roslin. Hier liegt zweifelsfrei der Beginn des organisierten Golfsports. Erst zehn Jahre später folgte St. Andrews, übernahm im Wesentlichen die Spielregeln der Nachbarn und konnte sich zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts schließlich als Autorität in Regelfragen durchsetzen. Auf diese Weise war der Weg geebnet, dass aus einem marginalen Spiel eine weit verbreitete Sportart werden konnte.

Erst dann zeigte sich der Golfsport als zaghaftes Pflänzchen in Deutschland. In Kurorten wie Bad Homburg, Baden-Baden und Wiesbaden blieb es angelsächsischen Kaufleuten, Aristokraten und Diplomaten vorbehalten, das Spiel in Germanien einzuführen. Wenig später zogen Großstädter in Hamburg, Kiel und Leipzig zum naturnahen Spiel hinaus aufs Land. Und kurz darauf beginnt auch die nunmehr hundertjährige Geschichte des Deutschen Golf Verbandes.





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